Ablauf der Therapie
In aller Regel bearbeiten wir zwei Ebenen parallel:
1. Der Ursprung des Problems. Wir finden heraus, ob das Symptom einen emotionalen Auslöser hat, der in der Vergangenheit liegt. Wenn dem so ist, packen wir das Problem bei der Wurzel.
2. Das aktuelle Symptom. Hier greift die Sexuologie. Lösungsorientiert und ggf. körperbasiert erarbeiten wir schrittweise Verbesserungen.
Die ausführlichen diagnostischen Exploration Ihres Anliegens ermöglicht in aller Regel ein grundlegendes Verständnis für Ihre Symptomatik. Diese erscheint nun nicht länger willkürlich, sondern in ihrer Eigenlogik sinnhaft. Daran anknüpfend erarbeiten wir alternative Perspektiven und neue Handlungsoptionen.
Sexuologische und sexualtherapeutische Methoden
Ich stütze meine therapeutische Arbeit auf drei Säulen:
Sexualforschung
Als Sexualwissenschaftlerin lege ich großen Wert auf die Evidenz der Behandlungsmethoden, auf die ich zurückgreife.
Anatomisches Wissen der Sexuologie, Erkenntnisse der Neurowissenschaft und Psychotherapieforschung, aber auch soziologische Analysen bilden diese Säule.
Systemische Therapie
Meine therapeutische Haltung, Gesprächsführung und viele der Methoden, die ich verwende, sind klassisch Systemisch: Lösungsorientiert, wertschätzend, ergebnisneutral und systembewusst.
Typische Methoden sind Aufstellungen, Ressourcenfokussierung, paradoxe Interventionen, Rituale und Perspektivwechsel.
Sensate Focus
Viele sexualtherapeutischen Schulen haben nützliche Konzepte entwickelt, die ich integriere, etwa Sexocorporel, Differenzierung nach Schnarch und Achtsamkeitsfokussierte Therapie. Am liebsten greife ich jedoch auf meine Abwandlung des klassischen Sensate Fokus von Masters & Johnson zurück, um Intimität von Grund auf neu zu lernen.
Themen der Sexuologie und Sexualtherpie
Wann kann eine sexuologische oder sexualtherapeutische Intervention hilfreich sein?
Die Anliegen, die in sexuologischen und sexueltherapeutischen Settings besprochen werden, sind vielfältig und individuell. Gleichzeitig gibt es Muster und Symptome, die immer wieder in ähnlicher Weise thematisiert werden.
Sexuologische und sexualtherapeutische Zugänge machen Sinn, wenn sexuelle Schwierigkeiten den Alltag belasten, Beziehungen beeinträchtigen oder persönliches Wohlbefinden einschränken.
Konkret lohnt sich der Schritt zur professionellen Begleitung bei allen sogenannten sexuellen Funktionsstörungen, belastender Lustlosigkeit, wiederkehrenden Beziehungskonflikten mit sexuellem Hintergrund oder wenn die eigene Sexualität mehr Fragen als Antworten aufwirft.
Die fachkundige Unterstützung setzt genau dort an, wo Selbsthilfe und Gespräche im privaten Umfeld an ihre Grenzen stoßen. Dies sind die häufigsten Themenfelder:
Vaginismus ist eine unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur, die den Geschlechtsverkehr erschwert oder unmöglich macht. Schmerzen beim Sex haben nicht selten hier ihren Ursprung. Die buchstäbliche Verschließung der Vagina kann anatomische Ursachen haben, oftmals handelt es sich jedoch um einen Schutzmechanismus des Körpers. Wir explorieren bei dieser Thematik deshalb ganz besonders das Thema innere & äußere Grenzen.
Auf körperlicher Ebene schauen wir integrativ-sexuologisch, unter welchen Umständen Entspannung möglich ist. Statt – wie noch immer der Gynäkologie und Sexuologie gängig – mit Dilatoren zu arbeiten, erkunden wir Strategien, dem Körper genügend Sicherheit zu vermitteln, um die Verkrampfung zu lösen.
Schmerzen können jedoch auch ganz andere Ursachen haben. Viele Krankheiten, Operationen und körperliche Veränderungen verunmöglichen es, die eigene Sexualität weiter wie gewohnt zu Leben. Die Sexulogie kann manchmal Linderung bewirken, doch meist liegt hier der Weg darin, neue Möglichkeiten der Intimität zu finden.
Erektionsstörungen sind die wiederholte oder anhaltende Schwierigkeit, eine für den penetrativen Sex ausreichende Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Sie können körperliche oder psychische Ursachen haben – oft spielen beide Faktoren zusammen. Stress, Leistungsdruck, Ängste oder Beziehungsdynamiken beeinflussen die sexuelle Funktion genauso wie körperliche Faktoren. Erektionsprobleme werden bedauerlicherweise noch immer zum Teil als persönliches Versagen empfunden. Als Sexuologin verstehe ich sie jedoch als ein Signal des Körpers, das verstanden und behandelt werden kann. In der Sexualtherapie betrachten wir die individuellen Ursachen und entwickeln Wege, um eine erfüllte Sexualität wieder möglich zu machen.
Das häufigste Anliegen, mit dem Menschen in meine Praxis kommen, ist mangelnde Lust. Das Spektrum reicht von einem diffusen Desinteresse bis hin zur regelrechten Abneigung gegenüber Intimität. Sexuelle Lustlosigkeit, Unlust, oder gar Aversion kann zu ausgesprochen belastenden Teufelskreisen in Beziehungen führen. Diese Dynamik zu durchbrechen, ist stets der erste Schritt.
Lust verschwindet nicht ohne Grund. Sie zieht sich zurück, wenn der Körper Stress meldet, wenn eigene oder fremde Erwartungen ein regelrechtes Pflichtgefühl auslösen oder wenn innere und äußere Dynamiken sie überlagern. In der Sexualtherapie hinterfrage ich das Anliegen kritisch, „die Lust zurückzuholen“, und biete an, zunächst zu verstehen, was sie gerade blockiert – und wie sie sich wieder entfalten könnte. Ohne Druck. Ohne Erwartung. Sondern so, dass es sich wirklich gut anfühlt.
Als neue Diagnose und Phänomen der Gegenwart ist Pornosucht kein klassisches Thema der Sexuologie, sondern vielmehr der Suchttherapie. Es geht um das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren – immer wieder zu klicken, obwohl man eigentlich aufhören will. Vielleicht als Ablenkung, als Stressventil oder weil echte Intimität immer schwerer fällt. Oft bleibt ein Gefühl von Leere zurück, manchmal auch Scham. Pornografie selbst ist nicht das Problem – entscheidend ist, welche Funktion sie erfüllt und welchen Preis man dafür zahlt.
In der Sexualtherapie geht es deshalb nicht darum, Verbote aufzustellen, sondern zu verstehen, was hinter dem Muster steckt – und Wege zu finden, wieder selbst zu entscheiden.
Die Sexuologie wird dann relevant, wenn auch das körperliche Empfinden nachgelassen hat, partnerschaftliche oder andere Sexualität nicht mehr als genügend reizvoll erlebt wird.
Orgasmusschwierigkeiten sind weit verbreitet, aber selten ein rein körperliches Problem. Manche Menschen erleben keinen Orgasmus, andere nur unter bestimmten Bedingungen, viel zu früh oder mit großer Verzögerung. Oft spielen innere Anspannung, unbewusste Blockaden oder erlernte Muster eine Rolle.
In der Sexualtherapie finden wir heraus, welche Faktoren einer entspannten Erregung im Weg stehen – und wie sich eine erfüllte Sexualität ohne Druck entwickeln kann. Die Sexuologie hat einige Körperübungen entwickelt, die wirkungsvoll sein können. Manchmal hilft auch anatomisches Wissen, um die eigenen Körperreaktionen besser zu verstehen.
Manchmal liegt das Symptom in der Sexualität, das Problem jedoch in der Beziehung – oder im Bindungs- und Beziehungsmuster einer der Beteiligten. In diesem Fall gehen wir auf Ursachenforschung. Manchmal machen wir dazu einen Abstecher in die Kindheit. Die Sexuologie greift hier meines Erachtens nicht hinrechend, deshalb switche ich bei solchen Anliegen zur Systemischen Therapie. Das bedeutet nicht, dass wir nicht auch die Symptomebene im Blick behalten.
Zwar biete ich keine klassische Traumatherapie an, doch das Thema Trauma spielt wirklich häufig eine Rolle, wenn es um Herausforderungen mit der eigenen Sexualität geht. Viele Klient*innen berichten mir von der frustrierenden Erfahrung, dass in Traumatherapien sexuelle Themen nicht besprechbar seien, in Sexualtherapien wiederum kaum Traumakompetenz herrscht.
Mir ist es deshalb wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem posttraumatische Reaktionen auf die gelebte (oder nicht gelebte) Sexualität besprochen und bearbeitet werden können. Sexuelle Gewalt, Übergriffe, Grenzverletzungen – oder auch ganz andere schlimme Erfahrungen, die sich in den Körper und die Seele einschreiben, verdienen eine traumasensible und behutsame Bearbeitung. In kleinen Schritten suchen wir gemeinsam nach Ressourcen, erabeiten Skills und Strategien zur Selbstberuhigung, und erkunden, wie möglichweise wieder ein wenig Vertrauen einziehen kann.
Sexuelle Identität, Vorlieben und Abneigungen, alternative Beziehungsformen und sexuelle Spielarten aller Art können mitunter auch große Verwirrung und Verunsicherung auslösen.
Manchmal ist es die eigene Identität, die Fragen aufwirft – sei es in Bezug auf Geschlecht, Orientierung oder Begehren. Manchmal sind es Vorlieben oder Fantasien, die Irritation auslösen, sei es, weil sie mit Scham besetzt sind, in der Partnerschaft auf Unverständnis stoßen oder schlicht gesellschaftlichen Normen widersprechen.
Hier setzen wir an: nicht mit Bewertung, sondern mit Neugier. Was ist Ihr sexuelles Selbstverständnis? Was ist Wunsch, was Zwang? Wo braucht es mehr Freiheit, wo mehr Halt? Die Sexualtherapie kann helfen, sich selbst besser zu verstehen – die Sexuologie bietet Werkzeuge, um Sexualität so zu gestalten, dass sie sich stimmig anfühlt.
Wie lang dauert eine Sexualtherpie?
Die verschiedenen Methoden und Verfahren unterschieden sich auch bezüglich der Dauer.
Ich arbeite lösungsorientiert und effizient, um Ihre Zeit nicht zu verschwenden. Die Systemische Therapie und Sexuologie bieten hierfür einen methodischen Rahmen. Ich Ihr individuelles Ziel stets im Blick und unternehme keine Umwege in jeden Winkel der Vergangenheit.
In aller Regel sind deshalb 4-8 Sitzungen einzuplanen. Manchmal genügt eine einzige Sitzung, um Klarheit zu erlangen. Gelegentlich sind längere Prozesse notwendig, insbesondere, wenn mehrere Themen besprochen werden wollen.
In der ersten Sitzung wird das Problem diagnostisch erkundet. Gemeinsam legen wir Ihr individuelles Behandlungsziel fest und verständigen uns bereits auf erste wirkungsvolle Schritte, um der Lösung näher zu kommen.
Um die Zeit zwischen den Sitzungen gut zu nutzen, erhalten Sie manchmal ‚Hausaufgaben‘ und Übungen von mir, die Sie eigenständig zwischen den Terminen durchführen.
Zum Schluss legen wir Maßnahmen fest, die Ihnen langfristig helfen, die positive Veränderung beizubehalten.
Nach einigen Monaten evaluieren wir schließlich gemeinsam, ob der Therapieerfolg weiterhin anhält.
Sie möchten mit mir zusammenarbeiten? Das geht ganz unkompliziert